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3.2. Männersprache
Jahrhundertelang waren alle Gesellschaften
Männergesellschaften. Männer bestimmten die Politik, den Handel, die
Wissenschaft, die Kunst und somit auch die Entwicklung der Sprache. In vielen
Gesellschaften durften Frauen nicht am öffentlichen Leben teilnehmen und
waren dadurch auch in der Sprache nicht präsent. Noch bis 1971 waren Frauen
z.B. in der Schweiz nicht wahlberechtigt und noch heute sind Frauen in den
islamischen Ländern vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Unter
diesen Gesichtspunkten verwundert es nicht, daß die sich entwickelnde
Sprache, vor allem der Inhalt, eine stark auf Männer bezogene Sprache ist.
Männern geht es im Gespräch primär um
Informationen. Sie lassen kaum Emotionen einfließen und kommunizieren
meist auf der Sachebene. Männer erachten es nicht als wichtig, und auch
nicht als notwendig, eine emotionale Basis mit ihren Gesprächspartnern bzw.
Gesprächspartnerinnen aufzubauen. Von ihnen wird schon von Kindheit an
erwartet, daß ihre Sprache direkt, kurz und knapp ist, und mit starken
Ausdrücken artikuliert wird. Die Sprache der Männer ist sehr
statusorientiert. Sie versuchen sich sehr oft in Gesprächen zu profilieren
und ihre Machtposition zu festigen bzw. auszubauen. Männer denken
vorwiegend in Gewinner
⇔ Verlierer
Kategorien, also ist es eine logische Folge, daß in den selben Kategorien
auch gesprochen wird. Opermann/Weber sagen u.a. über Männersprache
folgendes: „Männer können sehr gut in asymmetrischer
Kommunikation agieren, sofern der jeweilige Status geklärt und akzeptiert
ist.
Ist der Status ungeklärt, wird um die Position
gekämpft. ...“ (Vgl. 2) S.91. Außerdem haben sie Frauen befragt
wie sie Männliches Sprechen definieren würden. FRAUEN sagen:
„MÄNNER sprechen laut, dominant, aggressiv, einfacher,
unterbrechen häufiger, emotionsloser, behauptender auch wenn sie sich
ihrer Aussage nicht sicher sind, hierarchisch orientiert“ (Vgl.2) S.16.
Weiterhin sprechen viele Männer sexistisch, was ich in
4.1. näher definieren möchte.
Unsere Sprache ist sexistisch, "wenn sie Frauen und ihre
Leistungen ignoriert, wenn sie Frauen nur in Abhängigkeit von und in
Unterordnung zu Männern beschreibt, wenn sie Frauen nur in stereotypen
Rollen zeigt und ihnen so über das Stereotyp hinausgehende Interessen und
Fähigkeiten abspricht, wenn sie Frauen durch herablassende Sprache
lächerlich macht." (Vgl. 6)
Neben diesem offenen Sexismus finden wir in unserer Sprache
auch viel unterschwelligen Sexismus. Dazu gehört z.B. auch, daß
Frauen nicht ausdrücklich mitgenannt werden. Leider halten viele
Männer und Frauen !!! dieses für überflüssig. Sie sind der
Meinung, daß Frauen durch die männliche Sprachform automatisch
mitangesprochen sind. Frauen sind, so wird ihnen versichert, immer gemeint, wenn
z.B.von Zuhörern, Studenten, Physikern, Mathematikern, Professoren etc. die
Rede ist. So lange, bis sie auf Sätze stoßen wie: "Die Professoren
und ihre Gemahlinnen waren auf einem Empfang des Rektorats."
Man stelle sich zum Vergleich mal den Satz : "Die
Professoren und ihre Ehemänner waren auf einem Empfang des Rektorats
eingeladen" vor. So sehr sind Frauen dann offensichtlich doch nicht mitgemeint,
denn man kann sie ausnehmen (Professoren und ihre Ehefrauen), was man mit
Männern nicht machen kann (Formulierungen wie "alle Studenten außer
den Männern" sind einfach nicht möglich). Frauen und ihre
Leistungsfähigkeit werden oft in Frage gestellt bzw. lächerlich
gemacht. Es wird z.B. aus der Sachbearbeiterin oder der Sekretärin die
„Tippse“ was in meinen Augen eine typische sexistische
Äußerung darstellt. Oder es werden z.B. Begriffe wie
„Betthäschen“ und
„Weibergeschwätz“ gebraucht, welche auf
Rollenklischees beruhen und nur für Frauen gelten. In anderen Fällen
werden Frauen nur als Anhängsel ihres Mannes genannt wie „der
Landtagsabgeordnete und seine Ehefrau“. Viele uns gebräuchliche
Redewendungen und feststehende Ausdrücke, die natürlich für alle
Menschen gelten, diskriminieren Frauen oder sind sprachlich von Wörtern
abgeleitet die als Bezeichnung für Männer gebraucht werden. Es
heißt u.a. :
„ ein Mann, ein Wort...“ ; „Otto
Normalverbraucher“ ; „der kleine Mann“ ;
„Vater Staat“ ; „ ein Fachmann
auf seinem Gebiet...“ ;
„Herren sind herrlich, Damen sind
dämlich“.
Für viele Menschen bleibt dieser latente Sexismus
leider unerkannt und es wird demnach auch die Wichtigkeit, sich mit diesem Thema
auseinanderzusetzen, geleugnet.
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