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Beidbennenung
Die Möglichkeit der Beidbenennung (Splitting) die von
Senta Trömel-Plötz vorgeschlagen wurden, zielt gegen den Umstand,
daß es viele Substantive gibt, die sowohl Archilexem (Oberbegriff,
Sammelbegriff), als auch Lexem in Opposition zu der weiblichen Form sind. Das
sieht bei meinem Beispiel „Sprecher“ dann folgendermaßen aus:
„der Sprecher“ als Archilexem für den männlichen Sprecher
und die weibliche Sprecherin. Wenn „der Sprecher“ aber als Lexem in
Opposition zu „die Sprecherin“ steht, ist er nicht mehr
geschlechtsneutral und meint nur den männlichen Sprecher.
Daraus resultiert, daß unterbewußt in fast allen
Fällen an einen Mann gedacht wird, auch wenn das Substantiv als Archilexem
eingesetzt wurde. Frauen werden also latent ausgeschlossen. Frau
Trömel-Plötz schlägt nun folgende Regelung vor.
„Die Sprecherin / Der Sprecher“ steht
für: die Sprecherin
und / oder
der Sprecher
„Der Sprecher“ steht für: der Sprecher
(Mann)
Es ist auch möglich, die Adjektive weiblich und
männlich als Attribute beizufügen. Auch hier will ich zwei
Beispielsätze anfügen:
„Die Sprecherin und der Sprecher hielten einen
famosen Vortrag.“
„Der weibliche und der männliche Sprecher
hielten einen famosen Vortrag.“
Diese Möglichkeit ist zwar sehr aufwendig, ganz
nüchtern betrachtet könnte man sagen unökonomisch, wird aber in
manchen Bereichen unserer Gesellschaft schon genutzt. Man denke z.B. an
Bürgerinnen und Bürger, Wählerinnen und
Wähler, Genossinnen und Genossen. Ich denke dieser
Lösungsvorschlag ist der einzige, der eine Chance hat sich durchzusetzen,
was man auch mit dem teilweisen Gebrauch belegen kann, wogegen die anderen wohl
doch eher theoretischer Natur sind.
5. Wandel in der Sprache
Die Sprache ist genauso einer Entwicklung unterworfen wie
alle anderen Bereiche des Lebens. So wie in den technischen Wissenschaften neue
Erfindungen gemacht werden so müssen auch in der Sprache neue Worte
gefunden werden. Für Gegenstände oder Tätigkeiten die es vor 20
Jahren noch nicht gab. Es verändern sich aber auch teilweise Inhalte
bereits existierender Worte und natürlich fallen auch Worte aus dem
Sprachgebrauch heraus, weil sie nicht mehr benötigt werden. Alle diese
gerade genannten Veränderungen fallen unter die Definition des
unterbewußten Sprachwandels. Er ergibt sich aus der Notwendigkeit, neue
Dinge zu benennen oder alte nicht mehr benennen zu müssen, sieht aber sein
Ziel nicht darin „irgend etwas“ in dieser Gesellschaft zu
verändern.
Den Wandel aber, der anstrebt, eine aus Sicht der Frauen
„gerechtere Sprache“ zu erreichen, ist ein zielgerichteter
Sprachwandel bzw. eine Sprachpolitik. Frau Samel zitiert dazu Frau Schräpel
folgendermaßen: „Sprachwandel liegt nach Schräpel dann vor,
wenn nicht die Sprache selbst verändert werden soll, sondern die Sprache an
außersprachliche Realitäten angeglichen werden soll. Sie wird meist
staatlich vorgenommen. Sprachpolitik ist „die bewußte und gezielte
Einflußnahme einer bestimmten Gruppe auf Teilbereiche der Sprache“.
Sie muß nicht von staatlichen Stellen ausgehen. Ihr Ziel ist es, den
sprachlichen Status quo zu verändern und einen Sprachwandel
auszulösen. Die Gründe liegen jedoch in der Organisation
gesellschaftlichen Zusammenlebens.“
(Vgl. 4) S.88
Der größte Teil des Wandels zu einer gerechteren
Sprache in den letzten Jahrzehnten erfolgte im „öffentlichen“
Sprachgebrauch. So wurden viele weibliche Berufsbezeichnungen geschaffen und
diskriminierende Bezeichnungen wie Fräulein abgeschafft.
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