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Sprecher/Sprecherin
![]() Was ich von mir mitteile Worüber ich dich (Selbstmitteilungsebene
) informiere ( Sachebene )
Wie ich dich und unsere Wozu ich dich
Beziehung sehe veranlassen will
( Beziehungsebene ) ( Appellebene )
( Skizze 1)
Es gibt vier verschiedene Ebenen einer Aussage (siehe Skizze
1). Aber nicht nur die Sprecherin oder der Sprecher hat vier Möglichkeiten
etwas zu meinen. Auch die Empfängerin bzw. der Empfänger hat
psychologisch gesehen vier Ohren mit denen er hören kann. ( siehe Skizze 2
)
Empfänger /
Empfängerin
( Selbstoffenbarungsohr ) ( Sachohr )
![]() ( Beziehungsohr ) ( Appellohr )
(Skizze 2)
Nun kann sich jeder lebhaft vorstellen, wie schnell es
Verständigungs-
probleme geben kann, wenn der Sender und der Empfänger
das Gespräch nicht auf den gleichen Ebenen führen. Deshalb ist ein
genaues Zuhören, gegebenenfalls mit reflektierenden, die Aussage noch
einmal kurz zusammen-fassenden Rückfragen, sehr wichtig und trägt
entscheidend zur problemlosen Kommunikation bei.
Wieso versteht sie mich immer
falsch?
Warum merkt er nicht, was ich meine?
Wie oft haben sie diese Formulierungen schon gehört
oder selbst getroffen?
Ich schon sehr oft! Eine interessante Frage ist nun, wenn
man von der Existenz zweier verschiedener Sprachwelten ausgeht, wieso
verschiedene Sprachwelten entstehen. Der Ursprung beider Sprachwelten liegt
meiner Meinung nach zu einem Teil in der Erziehung der „kleinen“
Sprecherinnen und Sprecher und zum anderen Teil in der gesellschaftlichen
Erwartungshaltung an Frauen und Männer. Und genau hier hätten gerade
Frauen, als die Haupterziehenden in vielen Familien, es in der Hand die von
ihnen bei ihren Ehemännern oft kritisierten Gefühls- und Sprachwelten
bei ihren Söhnen zu ändern. Das würde auch mithelfen, eine
frauengerechtere Welt inklusive einer frauengerechteren Sprache zu schaffen.
Aber leider fallen fast alle Mütter und Väter in die seit
Jahrhunderten geprägten Erziehungsmuster zurück. So werden Jungen auf
Stärke, Durchsetzungsvermögen, Gewinnen u.ä. erzogen.
Gefühlsausbrüche oder zu sensibles Verhalten wird im allgemeinen nicht
akzeptiert. Wenn z.B. eine Mutter zu ihrem Sohn sagt: „Jungen weinen doch
nicht, die andern denken ja noch du bist ein Mädchen!“.
Mädchen hingegen werden belohnt wenn sie lieb, nett und
um Harmonie bemüht sind, aber nicht dafür, sich gegen andere
durchzusetzen um zu „gewinnen“.
Genau an dieser Stelle, also in der frühsten Kindheit
entwickeln sich die Sprachwelten von Frauen und Männern in verschiedene
Richtungen. Es ist also für Mädchen wichtig Harmonie herzustellen und
auf die Gefühle anderer zu achten. Bei Jungs liegt das Hauptaugenmerk auf
dem „sich durchsetzen“ und als Gewinner aus Auseinandersetzungen
hervorzugehen. Dazu zählen natürlich auch sprachliche
Auseinandersetzungen.
“Hier entstehen Wertigkeiten. Je wertvoller mir etwas
ist, desto mehr setzte ich mich damit auseinander. Je mehr ich mich mit einer
Sache - ob bewußt oder unbewußt – auseinandersetzte, desto
ausführlicher und differenzierter versuche ich sie zu beschreiben und
Begriffe dafür zu finden.“( Vgl. 2 ) S.21
Die sprachlichen Prioritäten von Frauen werden daher
mehr in der Beziehungs- ebene und der Selbstoffenbarungsebene gesetzt. Sie haben
z.B. ein viel umfangreicheres Vokabular als Männer, wenn es um das
Beschreiben von Gefühlen geht. Männer hingegen benutzen doch
vorwiegend die Sachebene und, wenn die Hierarchie zwischen den
Gesprächspartnern geklärt ist, die Appellebene. Frauen
äußern ihre Bedürfnisse oft sehr indirekt. Spricht eine Frau
jetzt mit einer anderen Frau, die aus der gleichen Sprachwelt kommt, gibt es
kaum Probleme. Eine andere Frau hört ja mit einem gespitzten Beziehungsohr
zu. Ist der Gesprächspartner aber nun ein Mann, der das Beziehungsohr sehr
vernachlässigt und mehr Wert auf die Sachebene der Nachricht legt, ist das
Verständigungs- problem vorprogrammiert. Die rationale Antwort, die dann
auf der Sachebene gegeben wird, trifft auf das Beziehungsohr der Frau, und wird
dort als gefühllos oder desinteressiert abgestempelt.
Ein weiterer Unterschied in den Sprachwelten zwischen Frauen
und Männern, der oft in beruflichen Beziehungen zu
Verstädigungsproblemen führt, ist der unterschiedliche
Gesprächsaufbau. Während Frauen zu Beginn des Gespräches gern
erst ein paar persönliche Wort wechseln, um einen harmonischen
Gesprächsverlauf zu erreichen, empfinden Männer das oft als
unnötig oder als schwatzhaft weil es in ihren Augen nicht zur
Problemlösung beiträgt. Männer sind vorrangig nur an der
Lösung des Problems interessiert.
Diese Unterschiede werden, wenn überhaupt, nicht von
heute auf morgen abgeschafft. Ich denke, allein die Sensibilisierung breiter
Bevölkerungs- schichten auf die jeweils andere Sprachwelt trägt schon
zu deren besseren Verständnis bei.
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